Dr. Peter Baum
ärztlicher Direktor der Gelenk-Klinik Gundelfingen

10 Fragen zum Thema:

Wenn das Knie knirscht, zwickt und schmerzt...

 

So schützen Sie sich vor Kreuzbandrissen, Schleimbeutelentzündungen oder Meniskusschäden

Kein anderes Gelenk wird täglich so stark belastet wie unser Knie. Nicht nur beim Sprinten oder Skifahren muss es gewaltigem Druck standhalten und starke Kraftentwicklungen umsetzen. Wie man verhindert, dass es bei jedem Strecken oder Beugen knirscht, zwickt und schmerzt, erläutert Dr. Peter Baum, ärztlicher Direktor der Gelenk-Klinik Gundelfingen:

Herr Dr. Baum, Millionen Deutsche klagen über entzündete, geschwollene oder schmerzende Knie. Warum ist dieses Gelenk so anfällig?

Dr. Baum: Beim Knie handelt es sich um das größte und auch komplexeste Gelenk unseres Körpers. Es verbindet Ober- und Unterschenkelknochen des Beins und ist stets enormen Druck- und Beschleunigungskräften ausgesetzt. So trägt es beispielsweise bei jeder Kniebeuge das Sieben- bis Achtfache unseres Körpergewichts. Es besteht übrigens aus drei Teilgelenken. Stabilisiert werden diese durch vier Bänder, Gelenkkapseln, Knorpel, Menisken und Oberschenkelmuskeln.

Wie schütze ich meine Knie am einfachsten?

Dr. Baum: Vermeiden Sie jeden Fahrstuhl, den Sie umgehen können. Entscheiden Sie sich stattdessen fürs Treppensteigen. Jede Stufe stärkt die Muskulatur, belebt den Kniestoffwechsel und beugt damit Osteoporose vor. Vermeiden sollten Sie zudem langes Stehen, denn dann lastet das volle Körpergewicht auf Ihren Knien. Besser immer mal eine Verschnaufpause im Sitzen machen und mehrmals täglich die Beine baumeln lassen. Das fördert die „Schmiere“-Bildung im Gelenk.

Gibt es ähnlich gute Tipps für den Berufsalltag?

Dr. Baum: Öfter mal Arbeits- oder Sitzpositionen ändern, hin und wieder aufstehen oder kurze Strecken gehen – das alles fördert die Knie-Gesundheit. Und noch ein Tipp: Versuchen Sie am Schreibtisch häufiger, die Knie auszustrecken, das belebt den Stoffwechsel.


Zwei Übungen, die Ihren Knien besonders gut tun:


 1. Flach auf den Rücken legen und ein Bein anheben. Den Fuß in Richtung Gesäß ziehen. Nach ein paar Sekunden wieder ausstrecken. Das Ganze ein Dutzend Mal mit jedem Fuß wiederholen.

2. Im Büro auf den Tisch setzen und die Beine frei schwingen lassen. Dadurch verteilt sich die Gelenkschmiere über die gesamte Knorpelfläche des Kniegelenks. Die Knorpelernährung wird deutlich verbessert.

Bewegung ist demnach das A und O?

Dr. Baum: Ja, Gelenke leben sozusagen von der Bewegung. Da ist das Knie keine Ausnahme. Bewegung belebt den Stoffwechsel des Kniegelenks, führt Abbaustoffe aus dem Knorpelgewebe heraus und Nährstoffe heran. Verharrt ein Gelenk hingegen länger in einer Position, so wird die Knorpelschicht dauerhaft auf einer Stelle belastet und verliert übermäßig Gelenkflüssigkeit. Geschieht das häufiger am Tag, so ist dies übrigens auch um ein Vielfaches schädlicher: Der Knorpel verliert dauerhaft Flüssigkeit, wird weniger elastisch und brüchig. Letztendlich kann auf längere Zeit gesehen dadurch ein Knorpelschaden entstehen - ganz so, als wenn ein Kleidungsstück immer an der selben Stelle beansprucht wird und sich ein Loch bildet.

Mit Sport geht also alles leichter?

Dr. Baum: Ja, Sport ohne übertriebenen Ehrgeiz stärkt Muskeln, Sehnen und Bänder auf gesunde Weise - ein langsames Aufwärm- und Aufbautraining vorausgesetzt. Der Gelenkknorpel wird mit Nährstoffen versorgt und Verletzungen vorgebeugt. Denn trainierte Muskeln geben mehr Sicherheit und reduzieren die Gefahr von Überdehnungen. Schwimmen oder Wandern sind besonders kniefreundlich, ebenso (Wasser-)Gymnastik. Ebenso hilfreich sind regelmäßige Radtouren zur Arbeit oder zum Einkaufen. Fehlbelastungen, wie sie etwa beim Laufen auftreten können, sind hierbei ziemlich ausgeschlossen. Alle Muskeln, die das Knie stabilisieren, werden trainiert.

Was ist außer Bewegungsmangel noch „Gift“ für die Knie?

Dr. Baum: Arbeiten in verharrender Stellung, zum Beispiel beim Montieren oder Handwerken, sollten möglichst nur kurzfristig ausgeführt werden. Vermeiden sollte man zudem starke Kniebeugungen, also beispielsweise den Schneidersitz oder häufiges Hocken. Hierbei gilt: Je größer die Kniebeugung, desto höher die Belastung auf die einzelnen Gelenkstrukturen. Bei tiefer Hockstellung wirkt das fünf- bis sechsfache Körpergewicht auf die Kniescheibe ein. Was das für die Knorpeloberfläche der Kniescheibe bedeutet, haben viele Bodybuilder und Fitnessbegeisterte, die in den 80er Jahren mit ihrer Karriere begonnen haben, am eigenen Leib (oder Knie) erfahren. Um den besten muskelaufbauenden Effekt zu erzielen, empfahl man ihnen damals regelmäßig das Gewichtheben aus der ganz tiefen Kniebeuge heraus. Viele von ihnen klagen deshalb heute über ausgeprägte Beschwerden an der Kniescheibe.

Welche Sportarten sollte ich besser noch meiden?

Dr. Baum: Beispielsweise Fußball- und Handballspielen, Squash, Tennis, Rudern oder Skifahren. Bei Drehbewegungen des Knies unter Belastung, typisch für Fußballspielen oder Skifahren, sind die den Knorpel schützenden Menisken besonders verletzungsanfällig.

Welche Schädigungen des Knies sind noch sehr häufig?

Dr. Baum: Die Schleimbeutel am Knie sind besonders anfällig für Entzündungen. Mögliche Ursachen sind ständiges Arbeiten auf den Knien, Überanstrengungen beim Sport sowie beispielsweise Übergewicht. Hilfreich sind in diesem Fall kühlende Packungen, gegebenenfalls Schmerzmittel und generell eine Schonung des Gelenks. Nach Sportverletzungen kommt es oft zu Verletzungen oder Rissen des vorderen Kreuzbandes, insbesondere nach Stürzen beim Skifahren. Verdrehungen im Knie sind meist die Auslöser dieser Verletzungen, die sich sehr gut durch eine Kreuzbandplastik (Kreuzbandrekonstruktion) behandeln lassen.

Also Vorsicht beim Skifahren, und worauf muss ich noch achten?

Dr. Baum: Statt hoher Schuhe, die das Durchstrecken der Gelenke erschweren, sind flache Schuhe mit weicher Sohle empfehlenswert. Sie dämpfen die Erschütterungen beim Gehen und schonen die Gelenke. Einer der wesentlichen Risikofaktoren für die Entstehung einer Arthrose oder anderer Kniebeschwerden ist natürlich auch Übergewicht. Jedes abgenommene Kilo entlastet die Gelenke.

Bei welchen Kniebeschwerden sollte ich zum Arzt gehen?

Dr. Baum: Oft markiert ein deutlich hörbares "Knacken" den Moment einer Meniskusverletzung. Nach dem Meniskus-Riss wird es zum Beispiel schmerzhaft, in die Hocke zu gehen oder das Knie nach hinten abzuwinkeln. Die Schmerzen sind stark und stechend - ein unmissverständliches Warnsignal, das sofort ärztliche Untersuchung erforderlich macht. Das Gleiche gilt, wenn das Knie anschwillt. Auch dieses Alarmzeichen des Körpers sollte immer ernst genommen werden.

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